Sülz liegt im Süden der Stadt und gehört zum Stadtbezirk Lindenthal, direkt neben Klettenberg. Ein bürgerliches Wohnquartier mit viel gepflegtem, teils denkmalgeschütztem Gründerzeit-Altbau und einem hohen Anteil an Mietwohnungen — einer der größten Stadtteile Kölns und zugleich einer der geschlossensten im Baubild. Universität und Uniklinik liegen im selben Bezirk nur wenige Straßen entfernt, der Äußere Grüngürtel ebenso. Daraus ergibt sich eine sehr eigene Türlandschaft: alte Haustüren, viele Klingelschilder und ein Bestand, der öfter die Mietpartei wechselt als das Schloss.
Gründerzeit-Altbau, teilweise unter DenkmalschutzDer zerstörungsfreie Versuch hat VorrangErst der Nachweis der Berechtigung, dann die Arbeit
Sülz im Detail
Ein Viertel, in dem die Haustür älter ist als der Zylinder darin
Sülz ist einer der größten Stadtteile Kölns, und der gründerzeitliche Bestand steht hier auffällig geschlossen und sichtbar gepflegt in den Straßenzügen. Ein Teil der Häuser steht unter Denkmalschutz, viele sind saniert, dazwischen stehen einzelne Neubauten. Familien wohnen gern hier; zugleich ist der Anteil an Mietwohnungen hoch. Beides zusammen setzt auffällig viele Schlüssel in Bewegung: In einem Haushalt mit Kindern sind mehr davon unterwegs, als das Haus Türen hat, und der einzelne verlorene Schlüssel ist hier der weitaus häufigere Anlass als ein aufgebrochenes Schloss.
Für unsere Arbeit ist das eine sehr konkrete Ansage. Hinter einer aufwendig gearbeiteten Haustür sitzt oft noch die ursprüngliche Mechanik, während die Wohnungstür im dritten Stock längst einen Profilzylinder trägt. Und weil in einem Haus mit acht Mietparteien häufiger jemand ein- und auszieht als in einem Einfamilienhaus, ist der Zylindertausch in Sülz ein Alltagsvorgang und keine Ausnahme.
Der zweite Unterschied ist der Sanierungsstand, und er ist an der Tür sofort spürbar. In einem sanierten Haus wurde die Haustür meist schon einmal umgerüstet: Der Bartschlüssel ist verschwunden, ein Profilzylinder sitzt im alten Schild, die Klingelanlage ist neu. In einem unsanierten Haus derselben Straße ist nichts davon geschehen. Gleiche Bauzeit, gleicher Grundriss, zwei völlig verschiedene Aufträge — weshalb wir am Telefon lieber einmal zu viel danach fragen, wie die Tür von innen aussieht. Die einzelnen Neubauten dazwischen bilden die dritte Bauart: Dort verriegelt die Haustür an mehreren Punkten gleichzeitig, und ihr Zylinder gehört meist zu einer gemeinsamen Anlage für Hauseingang, Keller und Nebentüren. Drei Generationen Schließtechnik in einem Stadtteil, oft im selben Häuserblock.
Dazu kommt die Lage im Bezirk Lindenthal. Universität, Uniklinik und die Grünzüge Richtung Kölner Stadtwald und Decksteiner Weiher ziehen Menschen an, die einige Jahre bleiben und dann weiterziehen. Für den Türbestand heißt das: keine spektakulären Einsätze, sondern viele kleine, wiederkehrende. Ein Schlüssel weniger nach dem Auszug. Ein Zylinder, der nach Jahrzehnten schwergängig wird. Eine Tür, die im Sommerzug zufällt, während unten jemand den Kinderwagen hinausschiebt.
Sülz ist damit die dichte Ausnahme in einem sonst weitläufigen Bezirk. Braunsfeld, Müngersdorf und Junkersdorf bestehen überwiegend aus Ein- und Zweifamilienhäusern mit Garten; hier dagegen stehen Mietshäuser geschlossen an der Straßenkante, und zu einer Wohnung gehören außer der Wohnungstür regelmäßig noch ein Kellerverschlag, ein Abteil unter dem Dach und der Hauseingang selbst. Wer den Schlüsselbund verliert, verliert deshalb selten nur einen einzigen Schlüssel — und muss anschließend entscheiden, welche dieser Türen wirklich neu geschlossen werden müssen.
Drei Situationen, die in diesem Bestand immer wieder auftreten — und die man am Telefon in einem Satz beschreiben kann.
Buntbartschloss im Hauseingang
In gepflegten Sülzer Hauseingängen arbeitet oft noch das ursprüngliche Schloss mit dem schweren Bartschlüssel. Solange es sauber schließt, gibt es keinen Grund, es herauszunehmen. Steckt nur noch ein abgebrochener Rest darin, ziehen Sie nichts nach und drücken Sie nichts nach innen — jeder Versuch schiebt das Bruchstück tiefer. Wird das Schloss doch ersetzt, ist das nie die Sache einer einzelnen Mietpartei: Zum Hauseingang trägt jede Wohnung im Haus denselben Schlüssel, vom Erdgeschoss bis unters Dach. Ein anderer Zylinder dort bedeutet neue Schlüssel für das ganze Haus, und das will vorher besprochen sein.
Mehrere Wohnungen pro Etage, und im Treppenhaus zieht es: Unten geht die Haustür auf, oben fällt die Wohnungstür zu. Zugefallen heißt, dass nur die Falle eingerastet ist; abgeschlossen heißt, dass der Riegel ausgefahren wurde. Dieser Unterschied bestimmt den gesamten Aufwand. In den Sülzer Häusern kommt hinzu, dass die Wohnungstür unmittelbar am Treppenabsatz liegt und nicht hinter einem eigenen Flur: Sie stehen also nicht privat, sondern im gemeinsamen Treppenhaus — und die Nachbarin mit dem Zweitschlüssel wohnt in diesen Häusern oft eine Etage höher.
Denkmalschutz an der Haustür
Steht die Haustür unter Schutz, bleibt das Türblatt unangetastet. Gearbeitet wird an dem, was sich zurückhaltend ergänzen lässt: Schutzbeschlag, Sicherheitsschließblech und eine Sicherung der Bandseite. Die Widerstandsklassen dafür beschreibt die DIN EN 1627 — sie sagen, wie lange ein geprüftes Bauteil einem Versuch standhält, nicht dass es ihn ausschließt. Was an einer geschützten Sülzer Haustür überhaupt zulässig ist, entscheidet am Ende die Substanz und nicht der Katalog; deshalb steht am Anfang immer ein Blick auf Blatt, Zarge und Beschlag.
Kurz hinunter zum Briefkasten im Hausflur, und der Zug zwischen offener Haustür und gekipptem Treppenhausfenster zieht oben die Wohnungstür ins Schloss. Wir versuchen zuerst, die Falle zerstörungsfrei zurückzudrücken. Bei einer nur zugefallenen Tür gelingt das in aller Regel, ohne dass an Blatt, Zarge oder Zylinder etwas nachbleibt. Warten Sie dabei lieber im Haus und lassen Sie den Hauseingang nicht offen stehen: Die Sülzer Wohnungstür liegt ohnehin im gemeinsamen Treppenhaus, und ein aufgehaltener Hauseingang macht daraus eine offene Etage.
Beim Auszug kommen Schlüssel zurück. Ob das alle waren, die je zu diesem Zylinder gehört haben, lässt sich nicht nachweisen. Getauscht wird deshalb der Kern und nicht das ganze Schloss — über die Stulpschraube an der Türkante, im selben Maß wie zuvor. Weil in Sülz besonders viele Wohnungen vermietet sind, ist das der ruhigste dieser drei Anlässe: Er lässt sich Wochen im Voraus besprechen, und bei der Gelegenheit sieht man sich gleich den Zylinder des Kellerverschlags mit an, der zur selben Wohnung gehört.
Was verträgt ein historisches Türblatt, was nicht? Wir sehen uns Blatt, Zarge und Beschlag an und sagen auch dann etwas, wenn eine Maßnahme an genau dieser Tür wenig bringt. Und weil die Haustür eines Mehrparteienhauses allen gehört, entscheidet über eine Veränderung daran nicht eine Mietpartei allein, sondern die Eigentümerin oder die Hausverwaltung. Auch das sagen wir lieber vorher als hinterher.
Nachbarschaft
Direkt nebenan
Sülz gehört zum Bezirk Lindenthal; unmittelbar benachbart sind Lindenthal mit Klettenberg und, jenseits der Bezirksgrenze, der Bezirk Rodenkirchen. Wo Sülz aufhört und Klettenberg anfängt, sieht man den Häusern ohnehin nicht an. Gebaut ist bei beiden Nachbarn trotzdem anderes: In Lindenthal überwiegen Häuser mit Garten, im Bezirk Rodenkirchen stehen Villenlagen und Geschosswohnungsbau nebeneinander.
Nach einem festen Betrag für „die Altbautür“ zu fragen, führt in Sülz ins Leere: Zwei Haustüren derselben Straße können völlig verschiedene Schlösser tragen, die eine noch im Original, die andere längst umgerüstet. Deshalb klären wir am Telefon Bauart, Zustand und Anlass — und was daraus folgt, besprechen wir, bevor jemand Werkzeug anfasst. Ein Blick auf die Innenseite hilft uns dabei mehr als jede Beschreibung der Fassade: Dort ist zu sehen, ob ein Bartschlüsselloch oder ein Profilzylinder verbaut ist, ob ein zweiter Riegel vorhanden ist und ob überhaupt noch das ursprüngliche Einsteckschloss im Türblatt sitzt.
Sagen Sie, ob die Tür zugefallen oder abgeschlossen ist und ob innen ein Schlüssel steckt. Steckt er von innen, ändert das den Weg zur Öffnung von Grund auf.
Liegt ein Zweitschlüssel in Reichweite, ist das oft der kürzere Weg. Wir weisen darauf hin. Bei Familien im Viertel liegt er häufig bei Verwandten in der Nachbarschaft; ein kurzer Fußweg dorthin schont die Altbautür mehr als jeder Eingriff an ihr.
Zwischen dem Buntbartschloss im Hausflur und dem Profilzylinder in der Wohnungstür liegt eine ganze Bauepoche. Sagen Sie am Telefon einfach, vor welcher der beiden Türen Sie gerade stehen. Ob Hauseingang, Wohnungstür oder Kellerverschlag: In Sülz ist der Anlass fast immer ein alltäglicher, und alltäglich lässt er sich auch besprechen.